| PLAN
COLOMBIA
Dieses Poster ist das Ergebnis von vielen
Diskussionen, die im Frühjahr 2002 vom beehive-Kollektiv mit AktivistInnen
aus Ecuador, Kolumbien und den USA über die Frage des Kolonialismus
in der Andenregion Südamerikas geführt wurden. Der Austausch
von Information und Inspiration, der in diesen Gesprächen stattfand,
wurde dann in eine Reihe von Bildern zusammengeführt, die aufeinander
aufbauen und sich widersprechen, um so den Betrachtenden auf der Reise
durch das Poster zu informieren und weiterzutreiben.
Das Plakat soll ein Werkzeug für politische
Organisierung sein, und so ist es auch aufgebaut. Die einzelnen Geschichten,
die roten Fäden der Erzählung bilden zusammen einen Kreislauf
und sollen durch ihre Verwobenheit die Entstehung einer Diskussion über
den Inhalt des Plakats unterstützen. So kann das Plakat ein äußerst
machtvolles Werkzeug sein in dem Bemühen, eine überwältigend
komplexe Situatuion runterzubrechen auf kleine Stücke, die leichter
zu verdauen, zu verstehen und zu erinnern sind. Diese Kommunikationsstrategie
macht es möglich, Teilfragen und bestimmte Komplexe innerhalb der
umfassenden Thematik zu behandeln und nebenbei die Grenzen zu überwinden,
die Sprache und Bildung entstehen lassen.
Die lange Geschichte des Kolonialismus
in den beiden Amerikas drückt sich aktuell in der Andenregion als
"Plan Colombia" aus. Dieses Projekt ist eine starke und deutliche
Metapher für die vielschichtigeen und zerstörerischen Auswirkungen
von US-Außenpolitik und einer globalisierten kapitalistischen Logik
des Marktes. Das Plakat versucht, die Lüge des "Kriegs gegen
die Drogen" zu entlarven und aufzudecken, was sich wirklich dahinter
verbirgt: ein SMOKESCREEN für die Interessen von Konzernen und Firmen
aus der ganzen Welt, die natürlichen Ressourcen und biologische Vielfalt
des Amazonasgebiets auszubeuten. Es ist ein Anti-Kriegs-Plakat das versucht,
in der Mythologie unserer Zeit zu sprechen... von den barbarischen Auswirkungen
kapitalistischer Globalisierung und dem weltweiten Graswurzel-Widerstand.
In dem Plakat finden sich drei "Ebenen",
die es den Betrachtenden ermöglichen sollen, die verschiedenen Aspekte
einer extrem komplexen und brutalen Situation zu vertstehen. Es geht hier
um mehr als, wie so oft, nur darzustellen, wie "der Feind" aussieht
und "wogegen" wir sind. Die Idee war es, eine illustrierte Erklärung
der Verhältnisse zu schaffen, die nicht nur den Albtraum, sondern
auch die Hoffnung, den Mut und die Kämpfe derjenigen widerspiegelt,
die konkret in diesen Verhältnissen leben. Das beehive-Kollektiv,
das die zerstörerische und rassistische Gehirnwäsche durch Fernsehen,
Videospiele und Werbung erfahren und ertragen hat, hielt es für wesentlich,
dieses Plakat in kollektiver Arbeit zusammen mit AktivistInnen der Andenregion
zu erstellen. Das Plakat ist, wie ihr sehen könnt, mit deren Ideen
und Stimmen gespickt, und wird als Material mit anti-copyright für
Kampagnen in Süd- und Nordamerika benutzt und verbreitet.
DAS "LESEN" DER ERZÄHLUNG
Im Folgenden seht ihr eine Erklärung, die euch helfen soll, das Plakat
über die Bilder zu verstehen. So könnt ihr die Geschichte des
Plakats selbst erklären und es wird zu einer Graswurzel-Methode politischer
Bildung und Aufklärung. Dabei ist diese Erklärung nur eine von
vielen Möglichkeiten, nicht annähernd so gut und reich an Interpretationen
wie die, die ihr dazufügt. Fühlt euch nicht eingeschränkt
durch unsere Worte, entwerft eure eigenen Erklärungen und tragt euere
eigenen Informationen dazu bei!
Es gibt also drei "Ebenen" in
diesem Plakat... DER ALBTRAUM PLAN COLOMBIA, an der Oberfläche. Von
diesem Wahnsinn ist die Geschichte der 500 JAHRE DES WIDERSTANDS verdeckt,
die Hoffnung, die Kämpfe und das Wissen der Menschen dieser Regioin.
An den Rändern sind die BLATTSCHNEIDEAMEISEN damit beschäftigt,
Stücke des Bildes wegzuschaffen, um die biologischen Vielfalt und
den ökologischen Reichtum sichtbar zu machen, die unter der Oberfläche
des Albtraums liegen.
DIE WESPEN-NESTER
Um nicht nur die aktuelle Situation um den Plan Colombia, sondern auch
den weiteren historischen Kontext der Kolonialisierung Lateinamerikas
darzustellen, seht ihr den Ursprung der Invasion in einem Wespennest.
Echte Wespennester bestehen aus Waben und neue Wespennester entstehen,
wenn aus einer Wabe die erste Wabe für ein neues Nest "fällt",
aber weiterhin mit dem alten Nest verbunden ist. Das Wespennest der USA
fällt hier aus dem Nest der europäischen Wespen, ist aber weiterhin
mit ihnen verbunden. Im Englischen wird hier noch mit dem Wortspiel W.A.S.P.
gearbeitet, das mit White Anglo Saxon Protestants aufgelöst wird
und die ersten kolonialen europäischen Siedler -weiss, angelsächsisch,
protestantisch- in Nordamerika beschreibt.
Beginnen wir ganz oben mit der Geschichte:
drei Blätter, die Geister von Kolumbus' Schiffen fallen von einem
weissen Zweig. Das spanische Königreich schickt von einem Wespennest
(W.A.S.P.ennest), das die Umrisse Europas hat "Geisterkolonisten"
in Richtung der beiden Amerikas. Jede dieser Wespen repräsentiert
einen bestimmten Teil des Kolonialismus.
- Zwei Pilger haben ihre Siebensachen gepackt,
sie sind bereit einzuziehen...
- Ein Missionar hat das Kruzifix und die westliche Medizin dabei...
- Ein Soldat bringt nicht nur das Schwert, sondern auch die Pocken...
- und der Richter das europäische Verständnid von Zeit und Recht.
- Sein Kumpel, der General hat Schwerrt und Muskete dabei, um die neuen
Landbesitzer zu schützen...
- und der hat auch den Pabst nicht vergessen, der ihre Mission absegnet,
mit Weihrauch und einer gekreuzigten Ameise...
- Schliesslich der Sklavenhändler, der seine gestohlenen Ameisen
in hölzernen Fesseln bringt.
Quer über das Wespennest, das wie
die USA geformt ist, steht in einem Zahlencode-Schrifttyp: "Plan
Colonia: 500 anos de terrorismo." Dieser spanische Slogan bedeutet:
"Plan Kolonie: 500 Jahre Terrorismus", und bezieht sich auf
ein beliebtes graffito in der Andenregion: "Plan Colombia = Plan
Colonia." Dieser Titel hilft, die zynische Ironie aufzudecken, mit
der die USA das Wort Terrorismus bemühen, um Krieg zu rechtfertigen...
und erinnert die Menschen in Nordamerika an die Geschichte des Terrorismus
in den Amerikas, die mit derm imperialistischen Schub aus Europa vor über
500 Jahren begann. Die Larven dieser US-Wespen sind in ihren Staatszellen
isoliert und hungrig wegen der gierigen Bedürfnisse des nordamerikanischen
Konsums. Sie sind hypnotisiert von us-amerikanischen Flaggen auf ihren
Fernseh- und Computerbildschirmen, einige von ihnen haben schon einiges
an Fett angesetzt, zum Beispiel:
- Im Nordwesten die Microsoft-Larve, immer
durstig nach Millionen von Litern frischen Wassers. Hier lohnt sich ein
Blick auf das beehive-Plakat zur amerikanischen
Freihandelszone, der FTAA. Es beschäftigt sich auch mit dem Zusammenhang
von Wasserverbrauch und der Computerindustrie.
- Nebenan, in Montana, dem Land der Massenviehzucht, verschlingt die McDonalds-Larve
gerade ihr "ALCA Menü". ALCA ist die spanische Abkürzung
für die
amerikanische Freihandelszone: Area de Libre Comercio de las Americas.
- In Minnesota ist die Larve der Shopping-Meilen gerade mal kurz "Sweatshop-Shoppen"
gegangen, ermöglicht durch "ALCA".
- Im Osten, in New York erinnert uns die Kokain-Larve daran, dass die
USA der größte Kokain-Markt in der Welt sind. Hier wird der
rassistische "Krieg gegen die Drogen"
benutzt, um diejenigen zu kriminalisieren, die durch die ökonomischen
Verhältnisse in Kokain-Produktion und Schmuggel gezwungen sind, aber
nicht die, die von der
Nachfrage wirklich profitieren.
- In Texas sitzt die Ölbaron-Larve, ein enger Freund der Bush-Regierung,
und erlässt allen die Steuern... wenn ihr Auto groß genug ist.
Danke fürs Autofahren!
- In Californien hilft die Schwartzenegger-Larve mit ihrer Disneyfizierung
des Kriegs mit, die Menschen in den USA und überall mit zeitlich
gut platzierten Hollywood-
Filmen abzulenken.
DER MILLIONEN-DOLLAR TEURE MILITÄRISCHE
ANGRIFF AUF SECHS EBENEN
Schwäre von metallgeschützten Insekten werden von ihrem Nest
auf Südamerika losgelassen. Sie sollen den "Plan Colombia"
ausführen, eine millionenschwere Militäroperation im Namen des
"Kriegs gegen die Drogen", der zuletzt schnell in einen "Krieg
gegen den Terrorismus" umgewandelt wurde. Hier ist die Beschreibung
der Ausführung der Operationen auf mehreren Ebenen:
- Die ersten die auftauchen sind drei Missionare,
die aus Utah kommend, mit dem Fallschirm über abgeschiedenen Gegenden
des Amazonas-Dschungels abspringen.
Nicht zufällig bringen sie nicht nur das Kruzifix und die Bibel,
sondern auch das Äskulap/Paracelsus?-Kreuz der westlichen Medizin.
Denn mit beiden Strategien werden
indigene Gemeinden mit der Zivilisation beglückt. Und das nicht nur
vor 500 Jahren, sondern auch heute: wenn ein pharmazeutisches Unternehmen
Ressourcen aus
indigenem Land ziehen will, schickt es zuerst Missionare, um einen ersten
"freundschaftlichen Kontakt" herzustellen.
- Über allem kreisen AWAK-Aufklärungsflugzeuge,
die "Ohren" der US-Überwachung. Sie sind mit Antennen und
einem großen Radar ausgestattet und werden zur
Kommunikation sowohl mit dem Pentagon als auch mit kleineren Flugzeugen
und Helikoptern benutzt.
- Noch eine Ebene höher sorgt ein
Netz von Überwachungs-Satelliten dafür, dass sie Szene von jedem
Winkel aus durchsucht wird. Sie sind, abgesehen davon, dass sie
ein offensichtliches und paranoides Gefühl von "Big Brother"
vermitteln, ein wenig bekanntes Teil der hochtechnisierten Pestizid-Operationen.
Sie werden, unterstützt von
der US-Firma Dyncorp und koordiniert von einer Militärbasis in Florida,
benutzt um die chemische Struktur von Pflanzen auf dem Gebiet von Kolumbien
zu identifizieren.
Mit Unterstützung von GPS, dem "Global Positioning System",
wird diese Aufklärung benutzt, um die Flugzeuge, die ihre Pestizide
über vermuteten Coca-Feldern
abwerfen, mit "milimetergenauen" Angaben zu versorgen. (War
da nicht auch was mit "intelligenten" Bomben?) Da diese Chemie-Regen,
oftmals von großen Höhen
abgeworfen, nur sehr selten ihr angebliches Ziel Coca treffen, steht zu
vermuten, dass diese Technologie benutzt wird, um mit Wärmekameras
verdeckte militärische
Operationen gegen die kolumbianische Guerrilla zu unterstützen...
- Die Pestizid-Flugzeuge werden geschützt
durch DH C-47 und OV-10 Bronco-Flugzeuge, die angeblich für die Sicherheit
in den betroffenen Gebieten sorgen. Viele Fälle, in
denen ganze Dörfer mitsamt BewohnerInnen und Tieren direkt von dem
Pestizid-Regen getroffen wurden, zeigen allerdings, dass diese "Sicherheit"
nicht für die Menschen
in Kolumbien gedacht ist.
- Ein Schwarm von metallbewehrten wespenähnlichen
Blackhawk-Helikoptern begleiten die Pestizid-Flugzeuge und halten nach
einem Kampfeinsatz Ausschau, der ihre
millionenschwere Produktion und ihren Einsatz rechtfertigen würde.
DIE LÜGE DES "KRIEGS GEGEN DIE
DROGEN", DER SCHRECKEN DER BIOLOGISCHEN KRIEGSFÜHRUNG
Dort, wo die Pestizid-Operationen ds Plan Colombia durchgeführt werden,
ist zwischen Geisterbäumen und -tieren ein entvölkertes, zerstörtes
und entlaubtes Land zu sehen. Links ist ein Sprühflugzeug mit dem
Monsanto-Label zu sehen, rechts eines mit dem von Dyncorp. Diese beiden
US-amerikanischen Firmen nehmen die Schlüsselrollen in der militärischen
Operation ein. Monsanto ist das globale Unternehmen, das Produkte wie
Agent Orange, BT Corn und Nutrasweet entwickelt hat und das Patent auf
"Terminator Technology" besitzt. Die Rolle von Dyncorp, einem
Waffenproduzent, der in Virginia sitzt, in diesem Teil us-amerikanischer
Außenpolitik ist nicht so bekannt. Dyncorp funktioniert als eine
private Armee, sie ist miteinbezogen in jede Ebene des Plan Colombia:
von Satellitenkoordination über den Transport von Chemikalien bis
hin zu Pilotanausbildung.
Die Produktpalette von Monsanto macht deutlich,
wie eng Krieg und landwirtschaftliche Chemikalien verknüpft sind.
"Roundup Ultra", ein starkes Herbizid, das auch als Glyphosat
bekannt ist, wird oftmals benutzt, in seiner verstärkten Form als
Gel, in der es länger auf Blättern haftet. Diese Chemikalie
wird gesprüht um den gegenüber den US-Amerikanern den "Krieg
gegen Drogen" zu legitimieren und hat verwüstende Folgen sowohl
für als Nahrung angebaute Erntepflanzen als auch für Regenwaldbiotope,
die eine der größten Diversizitäten von Flora und Fauna
aufweisen. Von Dyncorp geflogene T-65 Turbo-Trush Flugzeuge entlassen
ganze Chemiewolken auf die Landschaft. Um nicht von der Guerrilla oder
wütenden Bauern heruntergeschossen zu werden, tun sie dies aus enormen
Höhen. Das Resultat ist natürlich ein sehr ungenaues Sprühen,
weswegen Millionen von Campesin@s und Indigenas aus ihren Dörfern
und von ihren Äckern fliehen mussten. Roundup Ultra aber bleibt,
wo es einmal gesprüht wurde und dringt über die Erde in das
Grundwasser ein.
Ein Schwarm Moskitos ist gelandet, um die
natürlichen Ressourcen auszubeuten. Drei Erdöl-Moskitos, Occidental
aus den USA, British Petroleum aus Enland und Repsol aus Spanien pumpen
das Öl aus der Erde. Diese drei Unternehmen sind die drei größten
Beteiligten am OCP-Konsortium, das eine durchgängige Pipeline durch
den Amazonas-Regenwald in Ecuador und Kolumbien bauen will. In diesem
Gebiet finden -und das ist kein Zufall- die intensivsten Einsätze
von Srpühflugzeugen statt. Im Wald ist ein Gummi-Moskito damit beschäftigt,
einem Gummibaum sein Gummi für die Autoindustrie zu entziehen.
- Ein NESTLE-Moskito erntet die Kaffe-
und Kakao-Plantagen ab.
- Pharmazeutische Moskitos sind damit beschäftigt, die genetischen
Informationen der Pflanzen herauszufinden, um sie zu patentieren und es
so indigenen Gemeinden
quasi unmöglich zu machen, diese traditionellen Pflanzen legal in
ihrer traditionellen Medizin zu nutzen.
- Ein Coca-Cola-Moskito saugt das Wasser aus einem durch die Pestizide
vergifteten Fluss, in dem nur noch Fischskelette schwimmen. Coca-Cola
ist eine der gröten
Unternehmen, die in ganz Lateinamerika das Wasser privatisiert haben.
Es ist zu beachten, dass an dem Moskito nur das Wort Coca zu lesen ist,
um daran zu erinnern,
dass der große Aufschwung der Kokain-Industrie mit den Verwendung
von Kokain in ihren Produkten begann, und dass Coca-Cola außerdem
tief in Massaker an
ArbeiterInnen und AktivistInnen verwickelt ist.
Die OCP-Pipeline (Oleoducto de Crudos Pesados)
spielt eine zentrale Rolle in dieser Situation, sie ist die Hauptschlagader
der Erdölausbeutung in der Anden-Region. Sie gehört einem internationalen
Unternehmens-Konsortium und ist in den letzten Jahren oftmals Leck geschlagen
und hat unreparablen Schaden am Lebensraum Regenwald angerichtet. [Auch
die deutsche Bank West LB ist daran beteiligt. Sie gehört übrigens
zu zwei Dritteln dem Land Nordrhein-Westfalen.] Sie ist auch Ziel von
aufständischen militärischen Gruppen, die kritisieren, wie wenig
die betroffenen und verarmten Regionen von dem Geld sehen, das mit dieser
Pipeline gemacht wird. Die Bush-Regierung hat Kolumbien 98 Millionen Dollar
gegeben, um eine Spezialeinheit zu schaffen, deren Aufgabe ausschließlich
der Schutz dieser Pipeline ist... ein Beispiel des "Kriegs um Öl".
Der paramilitärische Käfer im
Vordergrund rollt einen Ball aus Körperteilen von Ameisen. Er symbolisiert
die brutalen Massaker, die immer wieder stattfinden. Eine von ihrem Land
vertriebene Ameisen-Familie steht für die Millionen, die dieser Gewalt
entfliehen mussten. Die Ameisen-Familie flieht vor dem Massaker, trifft
aber einen Ameisen-Genossen, der ihnen den Weg in den Untergrund zeigt...
GESCHICHTEN AUS DER AMEISENWELT
...wo sie eine Reise antreten, die sie durch einen einen Tunnel führt,
in dem sich zwei nebeinander existierende Realitäten gegenüberstehen.
Dank den Blattschneiderameisen können wir auch hier beide Ebenen
sehen, denn sie haben schon fleissig die alternative Welt freigeschaufelt...
und machen die vielgesichtige Invasion durch den Neokolonialismus in jeden
Aspekt von alltäglichem Leben und Kultur sichtbar.
KARAOKE GEGEN DIE FIESTA
Das Abenteuer der geflohenen Ameisen-Familie beginnt in der Karaoke-Bar...
aber zuerst fällt der Blick auf die andere Seite der Welt, wo eine
traditionelle Fiesta läuft. Fiestas sind historisch immer auch eine
Form von Rebellion gewesen... eine Aktion der Gemeinschaften, zusammenzukommen
und Lust und Freude zu schaffen im Angesicht von Wahnsinn und Krieg. Auf
dieser Fiesta singen und tanzen fünf Ameisen im Mondlicht und halten
sich an den Händen, während sie einem Musikanten zuhören.
Sie haben eine Rumflasche, die von allen geteilt wird.
Zurück in der Karaoke-Bar finden wir nur vier Ameisen, ein Kassettenrekorder
ersetzt den Musikanten. Unter dem anti-sozialen Einfluss einer unterschiedlosen,
anti-individuellen Massenkultur haben sie ihren Spass daran, kommerzielle
Pop-Songs nachzusingen. Sie feiern unter einer Disco-Kugel und statt eine
Flasche Rum rumzureichen, haben alle ihre eigene Flasche Bier.
DOLLARIZATION GEGEN TAUSCHWIRTSCHAFT
In der nächsten Szene wurde die Wirtschaft der Ameise durch die sogenannte
Dollarisierung an der Kurs des US-Dollars gebunden. Sie müssen nun
Dollars für ihr Getreide und eigens entworfene Ameisen-Wollsocken
eintauschen. Auf der anderen Seite tauschen die Ameisen untereinander
Waren aus, die sie selbst produziert haben... in diesem Fall Mais gegen
einen Ameisen-Wollhut.
LANDWIRTSCHAFT: TRADITIONELLE KULTUR GEGEN
BUSINESS
Diese Szene zeigt einen kleinen indigenen Bauernhof, auf dem nach alten
Techniken der Permakultur angebaut wird. Getreidepflanzen und Mais sind
von einem Ring früchtetragender Bäume umringt, die sie vor Krankheiten
schützen. Sie haben Bohnen, Quinua, Kartoffeln und Yucca gepflanzt
und sammeln sie nun in Körbe, um sie zu ihren Familien zu bringen.
Auf der Albtraum-Seite dagegen ernten ArbeiterInnen
in Uniform auf einer typischen Plantage des "Agro-Business".
Sie ernten aus Monokulturen Bananen, Kakao, Blumen, Kaffee und Zuckerrohr
und tragen die Ernte nicht in Körben sondern in Säcken, die
schon die Flagge des Landes tragen, in die sie verkauft werden.
SELBSTORGANISIERUNG GEGEN FOLTERTRAINING
Der nächste Gegensatz ist der zwischen zwei Klassenräumen. Eine
Gruppe Bergarbeiter lernt, wie eine Gewerkschaft gegründet wird und
diskutiert lebhaft darüber. Die Lehrer-Ameise verteilt Flugblätter
und hebt die Faust während er an der Tafel erklärt, wie eine
Blockade am besten zu organisieren ist. Auf dem Tisch steht eine Schale
mit Koka-Blättern, die von Bergarbeitern während der Arbeit
gekaut werden, um die Müdigkeit, den Hunger und die Schmerzen ertragen
zu können.
Der Klassenraum an der Schule der Amerikas in Fort Benning, Georgia, sieht
ganz anders aus. Die Ameisen sitzen diszipliniert und haben auf ihren
Rücken die Flaggen verschiedener Länder Lateinamerikas, in denen
SOA-Abgänger grausame Verbrechen verübt haben: Argentinien,
Nicaragua, El Salvador, Chile und Kolumbien. Der Lehrer ist eine Militär-Ameise
aus den USA und zeigt seinen Schülern den Umgang mit Waffen und die
effektivsten Foltertechniken. Auf der Tafel ist außerdem das Emblem
des neuen Namens zu sehen, den die SOA sich kürzlich gegeben hat:
"Institut der westlichen Hemisphäre der Zusammenarbeit für
Sicherheit". Hört sich gut an, oder? Das Emblem enthält
als Symbol von "Kolumbus' Erbe der Sicherheits-Zusammenarbeit in
den beiden Amerikas"das Malteser-Kreuz.
LAGERFEUER GEGEN FERNSEHEN
Etwas weiter unten auf der "lebenden" Seite der Erde gestikuliert
eine ältere Ameise erregt und erzählt einer Gruppe junger Ameisen,
die gebannt um ein Lagerfeuer sitzen, Geschichten von "Der Gewalt".
Auf der Seite des Kolonialismus sitzen die Kinder gebannt vor einem Fernseher,
die ältere Ameise erzählt keine eigenen Geschichten, sondern
wechselt nur den Kanal.
MONOKULTUR GEGEN TRADITIONELLEN MAIS
Die Geschichte des Mais ist eine eigene Szene, weil Mais eine herausragende
Bedeutung als kulturelles Zeichen und in der Mythologie hat. Links steht
der Mais eines Bauern, in geraden, einförmigen Linien gepflanzt,
mit Fruchtständen in Form von Handgranaten. Der Campesino arbeitet
in diesem genetisch veränderten Mais mit einem Pestizid-Sprühgerät
auf dem Rücken, auf dem Kopf trägt er eine Mütze, die er
umsonst in dem Ag-Laden bekommen hat, in dem er die Chemikalien gekauft
hat. Die Kräuter, wegen der er die Herbizide sprüht, fliehen
entsetzt zur anderen Seite der Geschichte...
Rechts dagegen steht der traditionelle Mais, in vielen verschiedenen Farben,
Größen und Höhen. Schmetterlinge flattern hier umher,
denn sein Pollen ist für sie nicht giftig. Eine Frau in traditioneller
Kleidung hat statt des Sprühgeräts ein Kind auf dem Rücken
und ernet mit einer Machete die kleinen Pflanzen, die zwischen dem Mais
wachsen und von denen sie weiss, wie sie für medizinische Zwecke
zu benutzen sind.
MAMAKOKA GEGEN KOKAIN
Viele der Ameisen sind gezwungen gewesen, diesen Weg der Spirale zu gehen,
und hier endet er. Ein Koka-Busch ist in der Mitte gespalten, die auf
der einen Seite noch erhaltenen Blätter haben sich auf der anderen
Seite in Dollarnoten verwandelt. Auf der rechten Seite ist eine Ameise,
die für eine junge Ameise einen Koka-Tee kocht, um sie von der Höhenkrankheit
zu heilen. Links dagegen werden die Koka-Blätter in einen Destillator
gegeben. Es ist wichtig anzumerken, dass die Ameise viele Chemikalien
hinzufügt, denn es ist unmöglich, Kokain ausschließlich
aus Mamakoka herzustellen. Die Chemikalien werden fast ausschließlich
aus den USA importiert und enthalten oft Kerosin und Formaldehyd. Die
junge Ameise in diesem Bild packt das Kokain und schickt es zum Entstehungsort
der Nachfrage, in diesem Fall die Konsumenten-Larve in den USA. Natürlich
schickt sie auch Päckchen zum europäischen Markt.
DIE GESCHICHTE UNTER DER ERDE
Auch unter der Erde sind die komplexen Verhältnisse Lateinamerikas
zu erkennen. Die erste Erdschicht ist eine Ebene aus den Waffen und dicht
gepackten Gewehren, die dazu dienen, die Gemeinschaften zu zerstören.
Auf der anderen Seite finden sich verschiedenste Typen von Korbflechtabrbeiten,
Symbole von gemeinschaftlicher Arbeit, die Menschen zusammen bringt.
Die zweite Schicht sind Massengräber
aus Ameisenschädeln und Protestschildern, sie repräsentieren
die Massaker an denjenigen, die sich organisiert gegen den Albtraum gewehrt
haben. Auf der anderen Seite davon spriessen die Samen.
Die dritte Schicht ist die "gesellschaftliche Plane", die auf
der einen Seite Tarnfarben, auf der anderen Seite traditionell gewebte
Muster zeigt. In den neuesten Schichten finden sich weggeworfene Flaschen,
Dosen und anderen Müll der Monokultur, auf der anderen Seite wiederum
Materialien, die kompostieren und sich in die Erde zurückverwandeln.
DAS HERZ DER ERDE
Im Zentrum des Ameisenhügels befindet sich ein anatomisches Herz,
das auf der einen Seite aussieht wie eine Erdölföderanlage,
ein Anspielung auf die Ausbeutung von Erdöl, das von einigen indigenen
Gemeinden in der Andenregion als "Blut der Erde" gesehen wird.
Auf der Seite der Hoffnung dagegen pulsiert ein lebendes Herz mit einer
Spirale in der Mitte und dem Qechua-Wort "pachakutik" darunter.
Pachkutik ist ein indigenes Wort mit vielen Bedeutungen. Oftmals wird
es bezogen auf die Sicht der Zeit: indigene Betrachtung sieht die Zeit
als eine Spirale, die ihren Anfang in ihrer Mitte hat und in der die Zukunft
auf ewig nach außen weiterkreist. Ganz im Gegensatz dazu steht die
westliche Sicht: hier ist die Zeit eine gerade, kontinuierliche Linie.
Die indigene Sicht ermöglicht Hoffnung, da es immer eine Schicht
gibt, die die vorherige überdeckt. Diese weise Perspektive kann vielleicht
einiges erklären von der Ironie der aktullen Ereignisse in Nordamerika,
der Ironie, wenn die USA zum "Krieg gegen den Terrorismus" ruft.
DER ALBTRAUM UND DIE GERECHTIGKEIT
Am unteren Ende des Plakats spielt sich eine Szene der Wiederaneignung
ab. Die widerständigen Blattschneiderameisen, die am Rand des ganzen
Plakats zu finden sind, bringen die Stücke des Albtraums, den sie
bereits demontiert haben. Sie zerkleinern diese Stücke und bringen
sie zurück zur Erde. Die Kompostierung des Albtraums wird dafür
sorgen, dass durch den Filter der Erde nichts ähnlich Zerstörerisches
wachsen kann. Mit dieser neuen Hoffnung wiederbeleben sie die Äcker
und beseitigen die vielen Ölflecken, die die Pipeline verursacht
hat. Eine Gruppe von Blattschneidern demontieren die Pipeline, die "Colombia"
schreibt, denn sie wissen, dass viele Indigenas das Konzept eines "Kolumbien"
für eine Halluzination halten, die nur in der Phantasie einiger Menschen
existiert. Die Verbindungen, die Menschen untereinander entdecken sorgen
oft dafür, dass Grenzen demontiert werden, die ihnen die Kolonialisten
aufgezwungen haben.
Insekten können uns viel über
die Spiralen von Recht und Gerechtigkeit lehren. Obwohl sie vom Agrobusiness
als Terroristen und Gefahr gesehen werden, die dem Fortschritt im Wege
stehen, entwickeln sie immer neue Fähigkeiten zu Widerstand gegen
die chemische Kriegsführung.
Diese Erklärung ist ein kleiner Teil
des MALBUCH-PROJEKTS über die AMERIKANISCHE FREIHANSDELSZONE, den
PLAN COLOMBIA und den PLAN PUEBLA PANAMA, an dem noch gearbeitet wird.
Das Malbuch wird aus zwei Versionen bestehen, eine für Lehrerbildung,
das andere für politische Veranstaltungen und Diskussionen. Wir suchen
MitstreiterInnen in diesem Abenteuer und sind immer offen für Feedback
darüber, wie Menschen diese Materialien benutzen.
Informationen über die Kampagnen des
Beehive Design Collective, Möglichkeiten für Praktika, Informationen
zu Organisierung in Nachbarschaft und in ländlichen Gegenden, Bestellformulare
und frei runterzuladende Bilder finden sich auf www.beehivecollective.org.
Am besten, ihr gebt uns eure Adresse, dann können wir euch unsere
Broschüre und Bestellformulare schicken... danke! Wir freuen uns
zu hören, was ihr von dieser Arbeit haltet...
Das Beehive Design Collective 207.255.6737
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